Interview RFID Tags

rfid ready im Gespräch mit Dr. Harald Lossau, RFID-Spezialist bei DYNAMIC Systems

Die Qual mit der Wahl - Welcher Tag ist der Richtige für meine Applikation?

Die Nachfrage nach integrierenden und systemübergreifenden Konzepten steigt in komplexen Systemen ständig an. Angesichts eines unübersichtlich gewordenen Feldes von Herstellern und konkurrierenden Systemen sehen immer mehr Industrieunternehmen in der industriellen Kennzeichnung eine Methode um Kosten einzusparen. Dabei findet die Kennzeichnung mit RFID immer breitere Anwendung.

Tarun Sharma:
In Hinblick auf das Spektrum der verschiedenen RFID-Frequenzen gibt es eine große Vielzahl von Tag-Typen. Wie ist die Vorgehensweise für die Auswahl der richtigen RFID-Tags im industriellen Umfeld?

Harald Lossau:
Generell erfolgt die Unterscheidung von RFID-Tags in passive und aktive Transponder. Wenn möglich werden passive Transponder bevorzugt, da diese kostengünstig und wartungsfrei sind. Passive RFID-Tags werden durch die Frequenzbereiche LF, HF und UHF unterschieden. Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass je höher der Frequenzbereich des Tags ist, desto schneller ist auch die Datenübertragung. Dies ist insbesondere relevant bei speziellen Anforderungen an Antikollision oder Verschlüsselungsverfahren. Entscheidend sind oft die Bauformen, sei es dass z.B. ein einfaches Smart-Label, ein robustes Hard-Tag oder ein On-Metal-Tag benötigt wird. Bei komplexen Anwendungen kommen aktive Transponder zum Einsatz, z.B. wenn hohe Leseweiten (>10 m), Sensorik oder Ortungsfunktionen gefragt sind, die mit passiven Transpondern nicht realisiert werden können.

Tarun Sharma:
Transponder sind speziell im industriellen Umfeld ständig hohen Belastungen wie Chemikalien und hohen Temperaturen ausgesetzt. Wie müssen die Transponder für diese rauen Bedingungen beschaffen sein?

Harald Lossau:
Hier bestehen vielfältige Möglichkeiten, um die Funktionsfähigkeiten und Beständigkeit des Transponders in rauen Industriebedingungen zu gewährleisten. Ein Disk-Transponder oder Hard-Tag kann z.B. in ein Kunststoffgehäuse aus ABS, Polystyrol, PVC oder Epoxydharz integriert werden. Je nach Material ist die Beständigkeit gegen hohe Temperaturen oder Chemikalien unterschiedlich gewährleistet. Auch Chipkarten können für den Industrieeinsatz geeignet sein. Hier sind qualitative Unterschiede beim Inlay und des Kunststoffs zu beachten, z.B. PVC- oder Polycarbonat. Generell ist zu beachten, dass ein Standard-Halbleiter Chip bei zu hohen Temperaturen "vergesslich" wird, das heißt sich die spezifizierte Speicherdauer von typischerweise 10 Jahren reduziert.

Tarun Sharma:
Neben den eben beschriebenen Tags, die beispielsweise bei Instandhaltungs- und Wartungsprozessen manuell angebracht werden, geht es in der Fertigungsumgebung um eine schnelle Applizierung der Smart Label auf Objekte mit Hilfe von Etikettierspendesystemen. Wie sehen dort die Anforderungen aus?

Harald Lossau:
Zunächst ist zu unterscheiden ob das Smart Label nur appliziert oder auch gleich beim Applizieren bedruckt und codiert werden soll.
Im ersten Fall kann jeder Standard-Applikator verwendet werden. Bei den Druck-Spendesystemen ist die Auswahl an Standardlösungen beschränkt, so dass sehr oft eine Anpassung an die kundenspezifischen Anforderungen (z.B. Etikettengröße, Frequenzbereich, Position des Inlays) vorgenommen werden muss.

Tarun Sharma:
Bei der Etikettierung in Fertigungsprozessen sind teilweise individuelle und komplexe Kennzeichnungslösungen gefragt. Nicht immer steht das perfekte Produkt bereit. Was müssen Kunden dabei beachten, welche Lösungen existieren und worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl des richtigen Partners für die Integration achten?

Harald Lossau:
Generell empfiehlt es sich zu Beginn nach Standardlösungen zu suchen und davon ausgehend eine kundenspezifische Lösung zu entwickeln. Hierfür eignet sich vor allem ein Systemanbieter der sowohl eine große Bandbreite an standardisierten Produkten bereitstellt und zudem individuelle Lösungen konzipieren und gleichzeitig umsetzen kann.
Empfehlenswert ist es, wenn ein entsprechendes Serviceangebot vorhanden ist, auf das jederzeit zurückgegriffen werden kann. Sozusagen eine Systemlösung aus einer Hand. Neben einer großen Auswahl an verschiedenen RFID Komponenten für das jeweilige Einsatzgebiet sollte darauf geachtet werden, dass der Partner eigenständige Entwicklungskompetenz besitzt, Anpassungen auf Basis der Standard-Komponenten vornehmen kann und letztlich das gesamte RFID-System in abgestimmter Weise installiert und getestet werden kann.

Tarun Sharma:
Herr Dr. Lossau, vielen Dank für das Gespräch.